plaisirs d'été (1)

Und plötzlich ist er da: einer dieser perfekten Momente. An einem lauen Sommerabend wandelt Frau Farn ehrfürchtig und unendlich beglückt durch den Garten. In der rosa-orange glühenden Dämmerung ist alles noch magischer als sonst. Frau Farn sieht sich um, bleibt alle paar Zentimeter stehen und staunt: so schön ist es jetzt. Das Versprechen auf mehr davon lässt FRau Farn innerlich beben: unzählige weitere Knospen stehen kurz vor dem Aufblühen.

 

Das Jetzt: berauschend.

Das Baldige: verheißungsvoll.

 

Auch das liebt fRau Farn am Gärtnern: Sich ganz dem Moment hingeben, um sich dann kurz in die Zukunft zu träumen. Pläne schmieden. Sich ausmalen, wie sich die derzeit noch kleinen Pflanzen im nächsten Jahr zu großen Stauden entwickelt haben, wie sich die einzelnen Farbtupfer mehr und mehr zu einem bunten Teppich zusammenknüpfen.

Wie viel davon in Erfüllung geht, weiß Frau Farn natürlich nie. Manches keimt gar nicht erst, anderes kümmert oder wird gefressen. Ein Starkregen oder Sturm kann einen verheerenden Schaden anrichten. Bis ins letzte planbar -kalkulierbar- wird ein Garten nie sein. Und das macht es vielleicht sogar reizvoller. Es gibt jedes Jahr Überraschungen: Pflanzen, die sich selbst versamt haben, MItbringsel vom Wind oder von Tieren. Und das sind dann -wie schon mal früher erwähnt- auch oft die Pflanzen, die am besten gedeihen.  Sich fernab jeglicher steriler Ordnung bewegen, die Kontrolle (ein Stück weit) abgeben, macht plötzlich so Vieles möglich! Wer das zulässt, erlebt Wunder über Wunder im eigenen Gartenreich.

 

Gerade dieses wilde Element lässt das Farnland beizeiten sehr malerisch aussehen. Die Glockenblumen inmitten der hohen Wiese und auch in der Fuge des Gartentors; die Wicke, die die Gartenbank langsam erobert; der Baldrian, der zwischen den Terrassensteinen wächst.

Schau doch mal.....!

Und wer genau hinschaut, sieht jeden Tag etwas Neues, Wundervolles.

Gestern eine Schwebfliege bei der Eiablage in der Schafgabe beobachtet.

Heute eine Solitärwespe beim Bezug eines Bambusröhrchens.

Käfer, die Frau Farn noch nie zuvor gesehen hat.

Und all die Wildbienen und herumtollenden jungen Vögel.

Der Buntspecht ward wieder gesehen!

Einige Hummeln haben sich unter dem Dachpfannen-Beet im Vorgarten eingerichtet. Abends sind wieder Fledermäuse unterwegs.

All das macht Frau Farn glücklich.

 

In jenen superschönen Momenten oder bei besonders interessanten Entdeckungen ruft Frau Farn ihren liebsten hinzu. Der freut sich dann mit ihr. Oft wünscht sie, sie könnte ihre Augen verleihen, um das Glück, das sie empfindet, für andere Menschen erfahrbar zu machen. Wie viele schreiten durch das Farnland (und die Welt) ohne auf all die Details zu achten? Ohne den Zauber zu verspüren?

Was jenen entgeht, lässt sich nur schwer beschreiben.

 

frau Farn hat just ihren Liegestuhl aus dem keller gehievt und mitten in die beinahe hüfthohe Wiese gestellt. die verschiedenen Gräser blühen jetzt. Frau Farn liebt ihre Zartheit. Ihr Rauschen im Wind. Die Wiesenglockenblumen sehen zwischen den filigranen Rispen zum Niederknien aus. Und genau deshalb steht nun hier der Stuhl. So ist Frau Farn auf Augenhöhe, mittendrin im Geschehen. Ein paar Falter taumeln um sie herum, Frau Farn findet diese neue Perspektive ganz bezaubernd.

 

Ein weiterer Lieblingsplatz ist seit jeher die feuerstelle. In einem Kreis zu sitzen, hat per se etwas... aber nun ist dieser auch noch zur hälfte von Königskerzen und Fingerhut eingerahmt. Morgens sind hier unglaublich viele Bienen, Hummeln, Schwebfliegen unterwegs, stürzen sich auf die neu geöffneten Blüten und die Luft scheint vor lauter Summen zu vibrieren.

Die zeit jener Wildbienen, die hier so emsig den Löss aus dem Boden zu ihren Nestern abtransportiert haben, ist wohl für dieses jahr vorüber.

Das Heißt, die feuerpause ist beendet. Frau Farn freut sich auf viele magische Abende. Heute wird sie ihr Nachtlager draussen aufschlagen; endlich sind die Nächte nicht mehr so frisch.

Farbspiele

Langsam kommen immer mehr Sommerblumen und mit ihnen auch strahlendes gelb und orange ins Farnland. Es wird also wieder bunt.

 

Dass nach der ersten großen Frühlingsblüte eine Weile Grün in all seinen Schattierungen dominierte, bereitete Frau Farn schon ein wenig Sorgen. Die eben noch geordnet wirkenden Beete gingen langsam aber sicher in mehr und mehr Wildnis über. Aber dann  waren da in der zweiten Frühlingshälfte all diese zarten Farben. Viel Weiß, rosa und lila, dazwischen etwas Rot. Traumhaft.

 

Und nun wird es farbenfroh. Eigentlich mag Frau Farn es ja lieber harmonisch, Ton in Ton, gerne pastellig zart. Aber langsam freundet sie sich auch mit den intensiveren Farben an. Gelb lässt zum Beispiel manch schattige Ecke viel freundlicher wirken. Orange findet sie in Kombination mit Lila ganz toll.

 

Viele der zum ersten Mal hier blühenden Pflanzen lassen Frau Farn´s Herz höher schlagen. Das zarte Tausendgüldenkraut zum Beispiel oder die leuchtenden, extravaganten Monarden. Unzählige Male wandelt Frau Farn durch den Garten und erfreut sich jedes Mal auf´s Neue an ihnen.

 

Ab ins Erntekörbchen

Gestern hat Frau Farn den letzten Rhabarber für diese Saison geerntet. An seiner Statt werden nun täglich Erdbeeren gepflückt. Die ersten Sommerhimbeeren genascht. Einige Heidelbeeren nehmen ebenfalls bereits Farbe an, Stachel- und Johannisbeeren biegen sich unter der Last ihrer Früchte so sehr, dass ihre zweige den Boden berühren.

 

Mangold, Rote Bete, Bohnen, Tomaten und Zucchini gedeihen gut, brauchen aber noch eine Weile. Auch der Kartoffelturm macht sich. Die Yams ist wieder da! Gepflückt wird nach wie vor reichlich Salat, Wildspinat und natürlich jede MENGE kRÄUTER. Rukola wird Frau Farn wohl nächstes Jahr gar nicht mehr gezielt anbauen; er wächst sowieso schon an den verschiedensten Stellen von selbst. Ein guter Teil der Terrasse wird bereits von ihm eingenommen.

 

 

Bei der derzeitigen Hitze muss selbst eine Sonnenliebhaberin wie Frau Farn zwischendurch ins kühle Haus verschwinden. Die Pflanzen beginnen auch etwas zu leiden. Normalerweise versucht Frau Farn sie nicht allzu sehr zu verwöhnen was die Wasserversorgung anbelangt. Aber nun ist tiefgründiges Giessen unerlässlich, wenn nichts vertrocknen soll. Besonders all die Töpfe... der ganze Hof steht ja inzwischen voll damit.

 

Aber auch das ändert sich demnächst: wenn die Gartensaison vorüber ist, wird direkt vor der Garage eine Reihe Frühbeete entstehen. Frau Farn hatte nämlich das große Glück, von der Baustelle gegenüber einige Ziegel abstauben zu können ... und so vor dem Schredder zu retten. Frau Farn darf gar nicht über die tägliche Verschwendung von Rohstoffen nachdenken, so frustrierend findet sie das. Deshalb freut sie sich immer sehr, wenn sie mal etwas für den Müll Vorgesehenem eine neue Verwendung geben kann.

Projekte stehen noch genug an dieses Jahr. Aber jetzt ist es zu warm für irgendwas. Und manchmal ist so eine Zwangspause genau das richtige - so wie Jetzt. Sonst wird ja doch immer irgendwie gewuselt.

 

Frau Farn lehnt sich zurück und schaut den herumtollenden Meisen am Teich zu. Atmet Baldrian- und Mädesüßblüte tief ein. Nippt mal wieder an ihrem kalten Minztee. Und schmunzelt: so lässt es sich doch leben.


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Kommentare: 1
  • #1

    Herr Spinne (Samstag, 29 Juni 2019 16:12)

    Ich liebe dich 111