#23

Oh wie Frau Farn die herbstliche Stimmung im Garten liebt!

In dieser Jahreszeit ist neben dem phänomenalen Rascheln der Blätter, den wie aus dem Nichts auftauchenden Pilzen und den Farbtupfern der Beeren vor allem das Licht ganz bezaubernd.

 

Die inzwischen schon sehr tief stehende Sonne überragt das Farnland nur noch partiell, für einige wenige kostbare Momente. Aber durch die kahler werdenenden Baumkronen fallen nun Sonnenstrahlen.

Die Sonnenuntergänge sind grandios. Dann scheint alles wie von innen zu leuchten, zu glühen, ist ein sanftes rosa-orange getüncht. Perfekte Augenblicke zum Träumen... und Pläne schmieden.

 

Pläne hat Frau Farn noch einige, obwohl der Boden hier zu dieser Zeit nicht mehr richtig abtrocknet, weil der Großteil des gartens nun im Schatten liegt. Hochambitioniert hat sie diesmal gleich mehrere Hundert Blumenzwiebeln für das kommende Frühjahr besorgt. Die meisten sind inzwischen gesetzt, aber einige harren noch in ihren Verpackungen und wollen schleunigst in die Erde, um sich dort auf ihren großen Auftritt vorzubereiten.

Einige selbstgezogene Pflänzchen (Stockrosen, Fingerhut, Löffelkraut, Endivien) warten ebenfalls noch auf ihren Einzug ins Beet. Gestern hat Frau Farn Knoblauch gesteckt und einen winterharten Asiasalat gepflanzt. Ob das mit dem Knoblauch jetzt noch klappt?

 

Aus dem Lavendelrückschnitt hat Frau Farn Stecklinge gezogen. Nachdem der erste Versuch gescheitert ist, hat die zweite Generation dann doch Wurzeln gebildet ...und bislang überlebt. Frau Farn hat etwa die Hälfte davon nun ins Haus geholt, der Rest bleibt an einer geschützten Stelle auf dem Hof stehen. Selbst im Farnschen Palast sind die fensterbänke schließlich nicht unbegrenzt.

 

Wie schön es wäre, wenn sie es schaffen, über den Winter zu kommen ... dann könnte nächsten Sommer direkt vor dem Haus ein ganzer Streifen voller Lavendel wachsen. Perfekt mit der Wand im Hintergrund (Wärmespeicher), denkt sich Frau Farn und kann in diesem Moment schon einen Hauch Lavendelduft vernehmen .

 

Und da träumt sie wieder. Malt sich den Frühling und den Sommer.

Wie sie sein könnten. Lächelt, krempelt die Ärmel hoch und zieht die Gartenhandschuhe über. Die wenigsten Träume realisieren sich schließlich ganz von allein.

 

Frau Farn holt die Chili Pfl,anzen ins Haus, verstaut die Gartengeräte in der Garage, pflückt die letzten grünen Tomaten und macht sich mal wieder daran, die nicht enden wollende Blätterflut aufzulesen.

Blätter sind so wertvoll!

Die hiesigen Mengen zu händeln ist eine Herausforderung.... wenn man wie Frau Farn möglichst viele davon im eigenen Garten behalten möchte. Um damit die Beete im Winter zu schützen, Unterschlupf für Tiere zu schaffen und um Laubhumus anzusetzen. Laubhumus hat eine ganz tolle Konsistenz. Waldboden eben.

Er verbessert die Bodenstruktur, ist dabei jedoch relativ nährstoffarm. Somit perfekt für alle typischen Waldpflanzen und jene die ein leicht säuerliches Bodenmilieu bevorzugen.

 

Blätter sind aber nicht gleich Blätter. Die verschiedenen Blattarten zersetzen sich unterschiedlich schnell. Den für die Kompostierung schwierigen gerbsäureanteil der Walnussblätter macht Frau Farn sich nun für andere zwecke zunutze:

Die enthaltenen ätherischen Öle vertreiben nämlich bestimmte Insekten. Deshalb kann man sie auch unter die Einstreu im Hühnerstall mischen, um Parasiten vorzubeugen. Die Walnussblätter sammelt Frau Farn also möglichst getrennt, verteilt sie im Gehege und trocknet einen Teil für später. 

lichtdurchflutetes Walnussblatt
lichtdurchflutetes Walnussblatt

Die Hühnerdamen haben den Garten inzwischen vollkommen eingenommen. Auf ihren täglichen Erkundungsrundgängen zaubern sie Frau Farn ein Lächeln ins Gesicht, lassen sie schmunzeln. So viele schöne Momente schenken sie ihr einfach durch ihr So-Sein.  

Die Beete finden sie (leider) meistens um vieles interessanter als die Wiese. Einige wenige Pflanzen hat Frau Farn mit Netzen geschützt. Das ist aber noch nicht optimal. Äste werden für einen Zaun gesammelt, einige Beete sollen höher gesetzt werden und manches wird umziehen. Sonst wird da nicht mehr viel mit Gemüse.

 

Dank der Netze gibt es immerhin noch Rote Bete, verschiedene Salate, Braunkohl, Herbstrüben, Mangold und Radieschen. Ach ja und eine Steckrübe. Eine einzige hat überlebt. Feldsalat, Postelein, Rukola und Winterportulak haben sich wieder selbst ausgesät und wachsen inzwischen überall verteilt, eben da wo sie wollen. Die zarten Pflänzchen haben jedoch ohne Schutz kaum eine Chance den kräftigen Schnäbeln und scharrenden Füße der umherwandernden Hühnerdamen zu entgehen.

 

Erntemäßig hätte dieses Jahr insgesamt besser sein können. Daran sind aber nicht nur die Hühner oder Frau Farns mangelnde Aufsicht Schuld. Die andauernde Trockenheit ist nicht allen Pflanzen bekommen.

Aber das macht nichts, gelernt hat Frau Farn dennoch eine Menge, will nächstes Jahr einiges anders machen. Und wie viele schöne Stunden sie draussen verbringen konnte in diesem nicht enden wollenden Sommer. Sogar draussen schlafen konnte sie mehrere Nächte.

Ein Traum!

 

heißbegehrte Sonnenfleckchen
heißbegehrte Sonnenfleckchen

derzeit blüht nur noch wenig, hier und da lugt eine Calendula, Malve, Kapuzinerkresse, Nachtkerze, Glockenblume oder Indianernessel zwischen den Blättern hervor. Auch die Herbsthimbeeren haben nochmal Blüten und Früchte angesetzt.

Frau Farn hat fleißig allerlei Samen gesammelt. Es soll ja jedes Jahr mehr werden hier. Ein riesiges duftendes Blütenmeer! Langsam wird es auch Zeit, all diese Schätze zu sichten, um die Aussaaten im nächsten Jahr zu planen. In gut einem Monat flattern ja schon die Saatgutkataloge ins Haus. Der Gedanke daran lässt Frau Farn in Vorfreude schwelgen.

 

Seit gestern füttert Frau Farn auch wieder die Vögel. Auch wenn immer einige Samenstände für sie den Winter über stehenbleiben, bekommen sie ihre Extraration an verschiedenen Futterplätzen. Besonders die flinken Heckenbaunellen und das entzückende Rotkehlchen bedienen sich auch mal gerne am Hühnerfutter.

 

Des Morgens genießt Frau Farn nun ihre Aussicht aus dem Küchenfenster wieder sehr. Ein Vogelaussichtsposten par excellence. Die Stare sind übrigens auch zurück. Ein paar Tage lang waren es riesige Schwärme, die sich hier abends eingefunden haben. Inzwischen ist es ein kleinerer Trupp, der die Nächte -und wahrscheinlich den ganzen Winter- hier verbringt.

 

Ein Highlight in diesem Herbst war die Begegnung mit einer Bekassine! Die war wahrscheinlich auf der Durchreise, ist für unsere Breiten sonst absolut untypisch. Frau Farn jedenfalls war vollkommen mesmerisiert als dieser Vogel eines Abends dicht vor ihren Füßen gelandet ist (beinahe wären sie im Dämmerlicht zusammengestoßen).

 

Bisher hat Frau Farn nur in wenigen Momenten einen Hauch des näher kommenden Winters gespürt. Es ist noch so ganz Herbst hier.

Ein ganz wundervoller. 

Aber seit zwei Tagen ist morgens alles mit Rauhreif bedeckt. Das hat seinen ganz eigenen Zauber. Mal sehen, wie die Hühner das finden, wenn Frau Farn sie gleich raus lässt und ihnen ihr erstes Mahl serviert. Oh, die Tränke im Auslauf ist schon durchgefroren.... ein untrügliches Zeichen, dass es nun doch Zeit wird - für den Endspurt, was die Wintervorbereitungen anbelangt. Frau Farn schlürft noch schnell ihren Kaffee aus und dann nix wie raus!

 

Zu erzählen gäbe es noch tausend Dinge... erste Erfahrungen mit dem Berkeley-Kompost (Danke an die Waldgeister!), drei MOnate Kompostklo, zweite Aussaat der Blumenwiese, mehr Biodiversität im Farnland, Fela im Gluckenstatus, das Farnsche Gartenjahr-Résumé.... aber wo anfangen und wo enden, wo noch so viel zu tun ist draussen? deshalb Schluss für heute. Der Garten wartet. Und die Hühner.

 

 

 

gefrosteter Braunkohl
gefrosteter Braunkohl

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