Eine leise Ahnung von Frühling

Heute scheint die Sonne, der Himmel ist strahlend blau. Ganz herrlich.

Lange hat Frau Farn es bei den frostigen Temperaturen draussen aber nicht ausgehalten. So verlockend es auch ist... Eisfüsse sind echt nicht schön.

 

Frau Farns Arme fühlen sich wie Blei an. Wie viele Stunden hat sie nun mit ihrem Häcksler verbracht? So gesehen ist Er wohl in den letzten Tagen zu ihrem besten freund geworden. Zwei riesige Bigbags hat sie nun bereits mit den geliebten Holzschnipseln gefüllt. Frau Farn bekennt sich als passionierte Häckslerin. Das, was er gierig verschlingt, sind sämtliche Zweige ihres Birnenbaums.

Den hat Friederike ja kürzlich entwurzelt und einfach umfallen lassen.

In der Heftigkeit des Sturms war das kaum zu hören. Erstaunlich. Erschreckend. Traurig. Wie schnell so ein alter Riese plötzlich zu Boden geht. Frau Farn mochte ihn gern. Die Vögel auch.

 

Aber das gehört dazu.

Und bringt alles in allem auch viel Gutes.

Das phantastische Häckselmaterial zum Beispiel.

Die hÄCksel werden als Wegbelag zwischen den Gemüsebeeten verteilt. Frau Farn liebt das. Der Boden fühlt sich dadurch ganz weich an.

Und Licht.

Durch das Fehlen des Baumes verändern sich die gesamten Lichtverhältnisse. Und die Blickachsen. Der freigewordene Raum schafft ganz andere  Möglichkeiten.

Bald soll ein junger Obstbaum gepflanzt, ein neuer Schuppen anderswo plaziert und für die Hühner hergerichtet werden (der alte ist ebenfalls zu Bruch gegangen). Außerdem möchte Frau Farn eine Holzsammelstelle anlegen.

Viel zu tun also bevor es mit den Beeten und den ersten Aussaaten losgeht.

 

In dieser Jahreszeit draussen etwas machen zu können, ist ein Segen für Frau Farn. Es dürstet sie so sehr raus zu gehen, dass sie für die Aufgabe, all das Holz zu zerkleinern und im garten zu verteilen, eigentlich ganz dankbar ist. verwendung für das Holz ist schnell gefunden.

Größere Äste werden als Pflanzenstützen oder Beetbegrenzungen verbaut Und als Brennholz für die Feuerstelle genutzt. Frau Farn freut, dass sie mit ihren Freunden dieses Jahr Viele Feuer machen kann.

Sie möchte sich auch mal in der Herstellung von Pflanzenkohle für Terra Preta versuchen.

Und aus dem Stamm werden kleine Tischchen und Hocker für den Garten.

 

Das klingt doch alles gut, denkt sich Frau Farn.

Der Baum bleibt ein Teil vom Garten.

Ein paar der schönsten kleinen Äste hat Frau Farn aufbewahrt.

Sie schimmern in wunderbaren Grüntönen, sind mit Moos und Flechten bewachsen. Filigran geformt, Knorrig und doch anmutig.

Frau Farn stellt sich vor, dass sie in den Frühlingskübeln bestimmt hübsch aussehen. Diese sind mit Traubenhyazinthen, Schachbrettblumen und Christrosen bepflanzt und mit Moos bedeckt. Das Moos wächst reichlich im Rasen und wird dafür einfach gepflückt. Frau Farn findet das hübscher (und natürlicher) als nackte Erde.

 

 

Im Winter wartet der Garten mit einem ganz eigenen Charme auf.

Anders als im Sommer rücken vor allem jene Elemente, die Strukturen schaffen, in den Blick. Neben den "festen" Elementen eines Gartens (Zäune, Pergolen, Mauern etc.) treten besonders die nun blattfreien Zweige, Äste, Gehölze in Erscheinung. Ihre Form, die Farbe und Beschaffenheit der Rinde.

Manche Rinde nimmt gerade in der kargen jahreszeit eine intensive Färbung an. Hier im Garten ist das ein Hartriegelstrauch, dessen rote Zweige nur im Winter so phantastisch zur Geltung kommen.

 

Verschiedene Beeren, sehr zeitige Frühjahrsblüher und einige überwinterte Zierkohlsorten setzen weitere Farbakzente. Die Haseln blühen und zaubern mit ihren Kaskaden von Kätzchen einen Hauch Märchenatmosphäre in den Garten. Die meisten Haselsträucher hier blühen rosa.

Vieles treibt aufgrund der zuletzt sehr milden Temperaturen bereits mächtig aus. Die ersten Vorfrühjahrsboten verstecken sich noch gern unter einer schützenden Blätterschicht. Ab und zu schiebt Frau Farn diese beiseite, um nachzuschauen und freut sich über alles, was sie dort findet. Sie hat zarte Bärlauchblättchen, Beinwell, Scharbockskraut, Lungenkraut, Schneeglöckchen, Krokusse, Tulpenspitzen und viele viele werdende Blausterne entdeckt.

Und noch was: wunderschön schillernde federn von einem Star.

 

Frau Farns Blick schweift umher und bleibt an den mit Lehm gefüllten Konservendosen auf der fensterbank haften. Eben hat sie mit einem Bleistift Löcher hineingebohrt. Wozu? Um ihren sechsbeinigen geflügelten Freunden bald einen Nistplatz anzubieten. Neben einem reichhaltigen Nahrungsangebot ist das eine weitere Möglichkeit, etwas für den Erhalt unserer Wildbienen zu tun.

Die Dramatik des InsektenRückgangs ist im vergangenen Jahr ausgiebig diskutiert worden. Gesetzliche Schutzmaßnahmen fehlen jedoch leider weiterhin.

Umso wichtiger findet Frau Farn es, dass jeder einen kleinen Beitrag zu leisten versucht. Darum will sie beim nächsten Mal mehr darüber schreiben, wie man der heimischen Artenvielfalt etwas Gutes tun kann.

 

All das hilft ein wenig, die lange Zeit des Wartens auf wärmere Tage, Sonnenstunden und -ja, natürlich- die Aussaat zu überbrücken.

Die rückt nun in fast greifbare Nähe. Nur noch ein paar Wochen.

Frau Farn seufzt leise, ohne künstliches Licht geht es eben nicht früher.

 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0