Adé Winterblues... die Tage werden länger

 

2018!

 

Frau Farn ist noch etwas verwundert, wie schnell der Dezember vorüber ging. Eigentlich sollte sie das ja inzwischen wissen; es ist jedes Jahr das gleiche. Vollgepackt mit Feiertagen und den Vorbereitungen darauf verstreicht der letzte Monat des Jahres wie von Zauberhand.

Januar also. Und ein freundlicher jahresbeginn!

Der Wind treibt die Wolken rasch vorwärts und große blaue Lücken tun sich auf. Welch eine Wohltat! Das gefühlte wochenlange Grau und nass hat Frau Farns Stimmung zwischenzeitig ziemlich gedrückt. Da ist jede Minute blauer Himmel ein wahrer Lichtblick.

 

Entgegen ihrer ursprünglichen Erwartung hat Frau Farns Blog-aktivität in der dunklen Jahreszeit nicht zu- sondern abgenommen. Es gibt im Moment auch nicht so viel zu tun im Garten. Das herabgefallene Laub lässt Frau Farn auf den Stauden und Gehölzbeeten als Mulchschicht liegen, viele verblühte Samenstände für die Vögel stehen, daher fällt ein großer Teil der typischen Gartenarbeiten ("Aufräumen") erst im Frühjahr an.

 

Es ist die Zeit des Sinnierens und Planens. Wenn es draussen usselig, nass und kalt ist, vertieft Frau Farn sich in Überlegungen, was in der kommenden Saison in den Beeten stehen soll und schreibt für jeden Monat des Jahres eine detaillierte to-do-Liste. Es stehen mehrere großprojekte an, die aber erst bei abgetrocknetem Boden beginnen können.

Frau Farn scharrt ungeduldig mit den Füßen. Es fällt ihr immer noch schwer, dem Garten seine Winterruhe bis zuletzt zu lassen. Aber sie weiß, dass das Ausharren lohnt.

 

Richtig kalt war es hier nur ein paar Tage. Das Klima hat sich in den letzten Jahren spürbar verändert. Da Pflanzen sich nicht nach unserem Kalender richten, sondern nach dem Klima, wächst Vieles jetzt bereits als wäre es schon fast Frühling. Das bereitet Frau Farn ein wenig Sorge, denn ein plötzlicher Kälteeinbruch könnte diesen Pflanzen zum Verhängnis werden.

Bei ihrem gestrigen Gartenrundgang hat Frau Farn gar einige Blüten entdeckt!

 

Eine Rose, eine Primel, bühender Rosmarin, Glockenblumen, Knospen an der Spornblume und am Borretsch. Einige Zwiebelgewächse ragen bereits mehrere Zentimeter weit aus dem Boden heraus. Eine einzelne Blüte macht noch keinen Frühling, eine aufmerksame Beobachtung des Wetter und der Natur aber kann uns zeigen, wann es Zeit, etwas auszusäen oder zu pflanzen. Die Bodentemperatur und Tageslänge sind dabei entscheidende Merkmale, die ZUVERLÄSSIGER als die Angaben auf Saatgutpackungen oder Pflanzenetiketten sind. Eveline Dudda und Klaus Laitenberger stellen in ihrem Buch "Spriessbürger" unter anderem diverse Zeigerpflanzen vor, die dafür wunderbar genutzt werden können. Bei Spaziergängen achtet Frau Farn nun immer besonders auf jene Pflanzen.

 

Noch ist es eindeutig zu früh, um draussen aktiv zu werden.

Aber bald wird Frau Farn mit einigen wenigen Indoor-Aussaaten beginnen.

 

Zu ernten gibt´s auch noch ein wenig: Feldsalat, Winterportulak, Endivie, Rote Bete, Schwarzwurzeln, Lauch, Topinambur und Kräuter.

Jedes Blättchen, das in diesen Tagen geerntet werden kann, fühlt sich für Frau Farn wie ein großes Geschenk an.

 

Ganz prächtig macht sich außerdem eine Pflanze, die im letzten Frühjahr eingezogen ist: der Lauch "Scheibenschötchen" (Peltaria alliacea). Ein ausdauerndes Wildkraut, das auch im Winter mit Grün aufwartet und geschmacklich zwischen Knoblauch und Kresse anzusiedeln ist.  

 

 

Der Grünkohl steht zwar ebenfalls noch im Beet, hat sein Wachstum jedoch offensichtlich eingestellt. Frau Farn vermutet, dass zu wenig Nährstoffe im Boden übrig sind.

 

Der Winter ist ein guter Zeitpunkt, um sich eingehender mit "Pflanzenwissen" zu beschäftigen, schöne Quellen dafür gibt es ja genug. Wer seine Pflanzen kennt, kann schließlich besser für sie sorgen. Frau Farn meint ja, dass Umsicht und Achtsamkeit die wichtigsten Voraussetzungen schaffen, aber etwas theoretisches Wissen über die Inhaltsstoffe von Pflanzen, ihre Wechselwirkungen untereinander und Austauschprozesse mit dem Boden kann den Blickwinkel definitiv erweitern.

 

Das bekannteste Beispiel ist wahrscheinlich die Fähigkeit von Leguminosen, Stickstoff aus der Luft in ihren Wurzelknöllchen anzusammeln. Wer sich darüber im Klaren ist, wird Die wurzeln von Erbsen und Bohnen eher im Boden lassen (statt sie rauszureißen), wo sie den Stickstoff dann für die Folgekultur bereitstellen.

 

Sicher muss man das alles nicht wissen, um einen schönen Garten anzulegen... aber letztlich macht es vieles einfacher und nachhaltiger!

Wer nicht weiß, welch kostbare Inhaltsstoffe im Beinwell schlummern, wird für seine Tomaten vielleicht Dünger kaufen statt selbst jauche anzusetzen.

 

Eine Fruchtfolge im Gemüsebeet zu etablieren ist eine weitere Möglichkeit , Bodenmüdigkeit auf natürliche Weise entgegenzuwirken, eine gute Nährstoffversorgung zu unterstützen und Krankheiten vorzubeugen.

 

Frau Farn möchte die Grundsätze der Fruchtfolge (auch Feldwirtschaft genannt) ab der kommenden Saison als orientierungshilfe nutzen, aber nicht alles genauso umsetzen.

Ein wenig wild soll es ja auch bleiben. die selbst gemachte Erfahrung wird mit der Zeit schon zeigen, was sich im eigenen garten bewährt und was nicht. Davon wird Frau Farn dann zu gegebener Zeit ausführlicher erzählen.

 

Vereinfacht gesagt meint Fruchtfolge eine gezielte Anbaurotation. Das heisst: im gegensatz zur Monokultur wird hier auf einem Feld (Beet!) nicht in aufeinanderfolgenden Jahren das gleiche angebaut.

Es gibt verschiedene Spielarten und Kategorisierungen (pflanzenfamilien / Nährstoffbedarf / Rotationsrhythmus)., aber Frau Farn möchte es nicht komplizierter klingen lassen als es eigentlich ist.

 

Inzwischen findet FRau Farn all das nicht nur nützlich sondern äußerst interessant und faszinierend. Die Magie geht dadurch nicht verloren,

das Wunder des Wachsens nicht geschmälert.

 

Frau Farns hält einen Moment inne, ihre Gedanken schlagen Purzelbäume, werden zu sprunghaft für diesen Artikel, so kommt sie vom Hölzchen auf Stöckchen... atmet einmal tief durch.

Struktur, wo bist du hin?

Genug Themen angerissen, all das will vertieft werden zu seiner Zeit.

Zurück zum Hier und Jetzt.

 

Frau Farn schaut auf die Fensterbank. Dort steht ein kleines Ingwerpflänzchen, das sie kürzlich eingetopft hat. Ein Wurzelstock, den sie immer für Tee und für Currys im Haus hat, ist ausgetrieben. Sie hat dieses vom Haupt-Rhizom getrennt und in ein Glas mit wenig Wasser gesetzt. Dort haben sich dann innerhalb kürzester Zeit feine Wurzeln gebildet. Der grüne Spross wächst zusehends in die Höhe und ist inzwischen gute 15cm hoch.

Dasselbe hat sie mit Kurkuma gemacht. Die blühen auch so wunderschön.

Wenn alles gut geht, kann Frau Farn in einigen Monaten frische Rhizome ernten.

Das wäre doch was!

So kann Frau Farn auch in diesen Tagen etwas wachsen sehen und sich in seine Zukunft zu träumen. Auch die Vermehrung von Zimmerpflanzen und das Ziehen von Sprossen haben den schönen Effekt, die Sehnsucht nach grün ein klein wenig zu stillen.

 

Letzte Woche hat das lang ersehnte Eintreffen der neuen Saatgutkataloge einen Luftsprung ausgelöst. Endlich, es wird konkret.

Auch wenn Frau Farn sich sehr zügelt,  kommen jedes Jahr ein paar neue Sorten hinzu. Zu groß ist die Begeisterung und die Neugier. Und die Vielfalt.

Wer braucht schon Rasen? schmunzelt Frau Farn und lässt ihn weiter in Gedanken schrumpfen.

 

Die Tage werden langsam länger.

In wenigen Wochen beginnt es, auf den Fensterbänken eng zu werden.

Endlich, endlich! Die Vorfreude wächst ins Unermessliche.

 

Bis dahin verbringt Frau Farn noch ein paar Stunden

mit ihren Plänen und Listen, schaut immer mal wieder rüber zum Ingwer....

und wünscht allen einen wunderbaren Start ins Neue Jahr,

voller positiver Energie :)

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